Freitag, 18. Mai 2012

[Rezension] "Schokoladenzauber" von Trisha Ashley

Chocolat light - heitere Stunden mit Schokoladenguss

Der Titel "Schokoladenzauber" und das Coverbild, die pastellfarbene Zeichnung eines Eckladens im Stil der Fünfziger Jahre, machten mich neugierig auf den Inhalt dieses Buches. War die fröhliche Zeichnung locker und leicht, erinnerte mich der Titel doch an die tiefsinnige und wehmütige Erzählung "Chocolat" von Joanne Harris.

Chloe, von der Liebe enttäuscht, legt Engelkarten und gießt aus Schokolade plus einem alten Maya-Spruch Engel-, Herz- und Ei-Hohlformen, in die sie kleine Zettel mit Zukunftsprognosen einlegt und vertreibt. Sie spielt Ersatzmutter für ihren Bruder Jake, der, stets im Gothic-Outfit, den mütterlichen Ambitionen längst entwachsen ist. Für ihren kauzigen Großvater, Hexenmeister und Schriftsteller, tippt sie Manuskripte. Die Schar der Mitwirkenden vervollständigen: Die schrullige Tante Zillah mit Katze Tabitha, zwei verflossene Liebhaber, einer davon Vikar mit rockiger Vergangenheit, zwei beste Jugendfreunde mit Liebesknistern, Verwicklungen um die Herkunft von Chloe und Jake, eine (fast) verschollene Mutter, ein geheimnisumwobener Bösewicht und die bunte Vielfalt der Einwohner des idyllischen Dorfs Sticklepond. Gewürzt wird die Geschichte mit einem Mix aus Engeln, Orakelsprüchen, Teesatz, Tarotkarten und Kleinstadttratsch.

Die fantastisch-reale Story ist anfangs recht verwoben und erschließt sich nicht sofort - ganz im Gegensatz zur einfachen Sprache, die stark beschreibend und bildreich aber wenig poetisch feingliedrig ist. Der handlungsfokussierte, leichte Schreibstil mit eher schlichtem Satzbau, locker geschrieben, aber ohne große Kunst am und Liebe zum Wort, lassen keine romantisch-melancholische Stimmung mit feinsinnigen Abstufungen, sondern eine heiter-beschwingte, fantasie- und humorvolle Geschichte vor der Kulisse eines englischen Dorfes entstehen. Ausführliche Alltagsbeschreibungen führen zu einigen Längen im Text; auch hätten hier und da ein wenig mehr Spannung oder Turbulenzen der Story gut getan; den liebvoll gestalteten Charakteren hätten man manchmal ein wenig mehr Tiefgang gewünscht, bleiben sie doch an der Oberfläche der Gefühlsebene verhaftet.

Klug gestaltet, bleibt offen, ob wirklich Magie im Spiel ist oder nur Hokuspokus, Scharlatanerie oder alles Einbildung der Akteure. Die merkwürdigen Vorkommnisse könnten ja auch Zufall gewesen sein - oder nicht? Schokolade spielt hier eine magische, jedoch wenig verklärte Rolle; Schokolade wird zwar mit einem vielleicht - ja, wer weiß - magischen Zauberspruch versehen, aber vor allem bodenständig gerührt, ordnungsgemäß verklebt und über das Internet verkauft.

Trotzdem: Eine fröhliche, heitere Geschichte und trotz ein paar Längen eine magische Urlaubslektüre - ob in der Südsee oder am heimischen Kamin :)

Ashley, Trisha. Schokoladenzauber. München: Goldmann Verlag, März 2012. ISBN 978-3442475315. Originaltitel: Chocolate Wishes, erschienen bei HarperCollins Publishers Ltd, 2010.

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