Sonntag, 15. Juli 2012

[Kunst-Ausstellungen] JEFF KOONS. THE SCULPTOR in der Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt am Main

Wer hat an der Uhr gedreht ?

Paulchen hat uns erhört - Pink Panther is back. Allerdings ist da ein blonde Frau, die ihn an sich drückt. Und irgendwie ist sein Fell nicht so flauschig wie früher - und ihm fehlen die Füßchen. Und die Frau ist auch nur halb. Ja, was soll man denn davon halten?

Parallel zur Schau in der Basler Fondation Beyeler und in einer Doppelausstellung mit der Schirn Kunsthalle stellt das Liebieghaus in Frankfurt Jeff Koons aus. Die Präsentation ähnelt der Konzeption jener Ausstellung 2008/2009 in Schloss Versailles, denn inmitten der Dauerausstellung von der Antike bis zum Klassizismus wurden 44 Objekte des Künstlers verteilt. Hier Bubbles im Arm von Michael Jackson zwischen ägyptischen Sarkophagdeckeln, dort der muskelbepackte Glanz-Popeye in der Mittelaltersammlung, während der Manierismus zurückhaltend mit geschnitzten, bunten Kunstblumen bestückt ist und sich im oberen Stockwerk mit einem Augenzwinkern ein Stahleimer den Aphrodite-Statuen zur Verfügung stellt.

Am Pop-Idol vorbei begibt sich der Besucher auf eine Spurensuche. Oha, hier wurden zwei Planschtiere durch Erhängen noch vor ihrem Strandurlaub an der Adria gelyncht - das ruft nach einem Paulchen,... jag´ das Männchen auf die Leiter - befreie die Tiere, rette die Weltmeere. Eine 90°-Drehung weiter prallt der Blick von der pink-spiegelnden, überlebensgroß aufgepusteten Venus von Willendorf im Michelin Männchen-Look ab. Ah, eine verfremdete Abbildung der Delischen Pan-Eros-Aphrodite-Gruppe - von Pan schauen, hinter einer delfinreitenden Schönheit versteckt, nur die Attribute Hörner und Huf heraus - mit ein paar unverzichtbaren "biologischen" Referenzen aus Frischfleisch, Kunststoff und Ölfarbe garniert. Aber der versierte Betrachter weiß ja: Säg´und pins´le bunt die Wände, treibe Scherze ohne Ende. Und um die Ecke, endlich: Paulchen. Dem ein oder anderen Besucher wird sicher die bedeutungsschwangere Blickachse zu Danneckers auf dem Panther drapierter Ariadne entgehen - doch auch wenn er sie erspäht: mit der Interpretation bleibt der Betrachter allein.

Der Rundgang führt in eine kleine Rotunde zu einer jugendstil-zerfließenden Dame aus glänzend-farbigem Edelstahl - man lege besonderes Augenmerk auf die wohlgeformte Back-Side. Es folgen die berühmten Äffchen im Heliumballon-Style, hier mit als optischer Täuschung installiertem, hängendem Stuhl, das bekannte, Trompe-l'oeil-Basketball-Bassin, ein herrgottschnitzer-geschnitztes Schwein mit himmlischem und irdischem Beiwerk und eine Teil-Frau im Badezuber - farblich abgestimmt zum Majolika-Altarbild della Robbias. Machst ja manchmal schlimme Sachen, über die wir trotzdem lachen. Dazwischen lustige Tweet-Vögelchen, watschelnde Pinguine, ein stolzer Holzpudel und eines der bekannten Staubsauger-Readymades mit Beleuchtung, der es im oberen Stockwerk mit dem Staub wet and dry aufnehmen könnte.

Doch der Hyperrealismus erfordert Konzentration und Findigkeit. Ist es wirklich schon so spät? Spätestens beim Umrunden der Made in Heaven-Skulptur "Bourgois Bust - Jeff and Ilona" aus blinkend reinweißem Marmor schaut sich der Besucher verunsichert um: Ist die Büste dort drüben, ja, die von Ludwig XIV, nun echt-alt oder doch echt-Koons? Auch im integrierten Shop ist der Käufer in spe nicht sicher, ob das nun Realität ist oder doch zur Ausstellung gehört, wenn der nette Wächter zur Achtsamkeit mit den Verkaufsobjekten gemahnt. Da will man à la Liu Bolin lieber gleich unsichtbar werden vor dem Regal. Soll das heißen, ja ihr Leut´, mit dem Paul ist Schluss für heut´?

Stimmt es, dass es sein muss: Ist für heute wirklich Schluss? Die Addition von Bienchen und Blümchen in die Liebieghaus Skulpturensammlung werden sicher keinen Sturm der Entrüstung auslösen. Die Objekte sind teils sehr liebevoll plaziert, teils entzieht sich dem Betrachter der Sinn der vermeintlichen - oder doch nicht vorhandenen? - Reminiszenzen zu den jeweiligen Exponaten der Dauerausstellung. Während die Verfasserin noch denkt, einschlägige Kunstzeitschriften Paulchen als Verkaufsargument benutzen und Jeff Koons wohl über seinen nächsten Coup sinniert, winken wir beim Ausgang dem Kiepenkerl zu. Heute ist nicht alle Tage, Koons kommt wieder, keine Frage!

Doppelausstellung JEFF KOONS. THE SCULPTOR und JEFF KOONS. THE PAINTER in der Schirn Kunsthalle und im Liebieghaus Skulpturensammlung in Frankfurt am Main. Noch bis zum 23. September 2012. Mein Beitrag zu JEFF KOONS.THE PAINTER in der Schirn Frankfurt am Main hier.

Die pinkfarbenen Zitate entstammen dem Abspann-Song zur Comicserie "Der rosarote Panther", im ZDF ab dem Jahr 1973; Musik von Henry Mancini, deutscher Text von Eberhard Storeck, gesungen von Gert Günther Hoffmann.

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