Samstag, 14. Juli 2012

[Oper] Otello in der Oper Frankfurt

Brillanter Gesang in der Kaserne, dazwischen: einsames Reh und sterbender Schwan

Ein karges Bühnenbild empfängt den Zuschauer. Das rohe Innere des Spielraums, ein grobgezimmerter Plankenboden mit ein paar Öffnungen, eine Art Wachturmgerüst mit einem Reh im Hintergrund, später einige Stühle und weiße Lilien - trostlos und ohne Ausweg. Der musikalische Sturm bricht los und die Tragödie aus Eifersucht, Intrige und Hass nimmt ihren Lauf.

Das Frankfurter Museumsorchester präsentiert sich nach kleinen anfänglichen Synchronisationsschwächen souverän. Zu Beginn und Ende von einem stimmlosen Mohren gedoublet, zeigt sich der weißhäutige Otello (Carlo Ventre) mit kraftvollem gesanglichen Einsatz und starker Bühnenpräsenz. Zeljko Lucic spielt und singt den intriganten Narziss Jago in erwartet hervorragender Qualität. Haben einige Zuschauer eigens und in alter Verbundenheit die Tickets anlässlich eines seiner raren Auftritte in den letzten Jahren in Frankfurt erworben, so wird er diesmal von einer Sängerin überflügelt. Elza van den Heevers warmer Sopran singt sich als Desdemona in die Herzen des Frankfurter Publikums und erntet den größten Schluss-Applaus.

Zum kargen Bühnenbild gesellt sich der Chor, mal in schlichten Uniformen, mal im Partyoutfit. Er steigt auch schon mal lässig aus den schweren Stiefeln, so dass die gesanglich ausdrucksstarke Emilia (Claudia Mahnke) den Recken während Desdemonas Ave Marias hinterherräumen muss. Mitleid hat der Zuschauer auch mit Elza van den Heevers, die sich wahlweise als hässliches Entlein im Kittelkleid oder sterbender Schwan in einer Art weißem Tutu-Kleid kostümiert.

Während sich der Plankenboden als Schiffsdeck erklären lässt und die Lilien für Reinheit und nahenden Tod stehen können, bleibt die Ikonografie der Inszenierung insgesamt rätselhaft und blass zugleich. Warum ergreift das Bambi hinten links eigentlich nicht die Flucht?

Das Auge des Betrachters kann leider weder Bühnengestaltung noch Kostümauswahl entrinnen. Schön, dass brillanter Gesang und ausdrucksstarkes Spiel der hochkarätigen Besetzung das Frankfurter Publikum entschädigen - anhaltender Applaus und einige Bravorufe.

Otello von Giuseppe Verdi in der Oper Frankfurt. Regie Johannes Erath, musikalische Leitung Erik Nielsen, Bühnenbild Dirk Becker, Kostüme Silke Willrett. Die Besprechung bezieht sich auf die Aufführung am 25. Juni 2012; zur Zeit Opernpause, Wiederaufnahme am 23. Februar 2012 mit nahezu komplett getauschter Besetzung.

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