Sonntag, 9. September 2012

[Kunst-Ausstellungen] dOCUMENTA (13) in Kassel

Alles und/oder nichts, wie bitte - warum, wieso?

Lange habe ich diesen Blogeintrag aufgeschoben. Manches Mal findet man ja einfach nicht die richtigen Worte - hier war es ein Gefühl aus Enttäuschung und Chaos. Aber nun muss es raus :) 

Ratlos, planlos und kraftlos zurück. Zurück von einer dOCUMENTA 13, die viel, zuviel zeigt und doch so wenig. Schade.

Schon die Vorbereitung fiel schwer. Eine riesige App, die den Speicher leersaugte, eine Website, die Stichworte zu Künstlern und Präsentationsorten liefert, aber nicht zu den Kunstwerken, angewiesen auf gegoogelte Websites der Printmedien, die einzelne Kunstobjekte vorstellen, eine Kuratorin, die Geheimhaltung zur obersten Priorität erklärt. Boeh, machte mich das neugierig *gähn*.

Durchgerungen, trotzalledem die dOCUMENTA 13 zu besuchen. Um 5:30 den Körper zum Bahnhof geschleppt, der Rest vom Ich weitergeträumt. Mit dem Regionalexpress durch die Lande getuckert - Langeweile... An der ungeöffneten Kasse der Documenta Schlange gestanden um den im Vorfeld gekauften Voucher gegen eine Eintrittskarte einzulösen - ich liebe verwaltungstechnische Spitzfindigkeiten... *grummel*. 

Nach der 20 Euro-Spende - vielleicht als Investition in die Renovierung der Stolperfallen-Gehwege und maroden Treppen Kassels, Hindernisse im Parcours der Documenta? Rechts abgebogen um die Kunst zu suchen. Am Eingang vorbeigelaufen, weil das Personal den Wegweiser frühmorgens noch nicht plaziert hatte. Wieder zurück... aaanstrengend... Wie soll der Tag nur weitergehen, wenn das schon so anfängt?

Themenüberfluss, Materialmix, Sinneschaos. Gottfried Knapp hat es in der Printversion der Süddeutschen vom 7. September 2012 auf Seite 12 nett als "Das additive Prinzip" betitelt... "Eine Weiterentwicklung in dieser Richtung könnte die Kasseler Schau zu einer Expo für Kunst-Schwellenländer degradieren.", resümiert er u.a. kühl. Sich einen Überblick zu verschaffen ist mir an diesem Tag nicht vergönnt. Ich sehe "Einzelteile", in die ich mich immer wieder neu einlesen müsste, um sie zu verstehen. Wer ist schon ein wandelndes Lexikon zeitgenössischer Kunst? Nichts fügt sich. Und selbst das allzeit bereite Smartphone ist zu langsam. Ziel ist es ja auch, Kunst zu sehen und nicht auf den Tablet zu starren, weil man Infos zum Künstler, zur Entstehung, zum Material, zum zum zum sucht. International bekannte Künstler, ja. Aber vieles auch Europa kulturell weit entrückt, schwer fassbar. Kreisende Schattenspiele, Bilder, von denen täglich eines überlackiert verschwindet, Mode in Zwangsjacken-Manier bei SinnLeffers, eine der Pyramidenecken der Brasilianerin Renata Lucas im Fridericianum, ein Hauch von Hauch von Wind von Durchzug... Vielleicht habe ich auch etwas falsch verstanden... Durch den Nordflügel des Bahnhofs hindurch, bezeichnenderweise gestrandet an einem vermeintlich chaotischen Areal gefüllt mit Zivilisationsresten.     

In der Documenta-Halle empfangen mich im höchsten Raum Motoren und das sich in sich miniaturisierende Flugzeug des Documenta-Bestsellers Thomas Bayerle; endlich ein wenig heimeliges Gefühl inmitten all dieser Fremdheit.

Nachmittags durch die Karlsaue, vorbei an Guiseppe Penones totem Bronzebaum, der bereits seit 2010 einen Stein balanciert. "Gardening" ist ja zur Zeit in aller Munde und Massimo Bartolinis "Wave" lullt den Betrachter milde ein. Eine Welle schwappt durch ein in den Rasen eingelassenes, rechteckiges Wasserbecken, umgeben von einem Kornfeld. "Bitte die Gerste nicht betreten - do not walk on the barley." Der Park ist mit Holzhütten gepflastert - keine Kunstwerke, Schreine zeitgenössischer Kunst. Noch neugierig zu Anfang, sind die Inhalte häufig enttäuschend. Ein dünner Hund mit rosa Bein läuft vor der hingeräkelten Bienenkorbfrau auf dem Kompostiergrund von Pierre Hyughe vorbei. Zufall, Vitalität und Verwandlung sollen hier stattfinden. Vielleicht ist es sonst anders, aber heute haben die meisten Besucher nur Mitleid mit dem abgemagerten Hund.   

In der Bahn nicke ich ein. Ich träume von einer spannenden Kunstreise durch die Documenta-Stadt Kassel. Vielleicht war ich ja noch gar nicht dort - und das alles war nur ein Alptraum. Ich wache auf, sortiere meine verschlafenen Knochen, der Nacken schmerzt - aber die dOCUMENTA 13 will ja auch Mut machen: nach dem collapse kommt ja vielleicht noch die recovery...

Fazit: Wo ist der Schlüssel, wo das Schloss? Zurück von einer Documenta, die so wenig erklärt, vermittelt, vermag. Documenta überall und nirgends. Vielleicht.

dOCUMENTA 13 in Kassel - noch bis zum 16. September 2012.

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