Mittwoch, 5. Dezember 2012

[Kunst-Ausstellungen] Workshop zu "Control" im Museum für Kommunikation Frankfurt

Lassen Sie Venen sprechen...

Hadern auch Sie mit Ihrem biometrischen Passfoto? Blass, vorschriftsmäßig mit "...neutralem Gesichtsausdruck und geschlossenem Mund gerade in die Kamera..." (PassV, Anlage 8) blickend. Dieser liebliche Gesichtsausdruck - gefühlt zwischen Fahndungsfoto und Frankenstein? Abhilfe könnte geschaffen werden, z.B. durch Handvenenerkennung. Sicherer wäre es, wie Alexander Nouak (Frauenhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung, Darmstadt) in seinem Vortrag "Führen biometrische Verfahren zwangsläufig zur totalen Kontrolle?" ausführte.

Nicht nur Möglichkeiten, Auswirkungen und Sicherheit von biometrischen Verfahren konnten die Teilnehmer des öffentlichen, interdisziplinären Workshops zur Vorbereitung der Ausstellung "Control - Selbstbestimmung in einer überwachten Welt?" (ab September 2013) im Museum für Kommunikation Frankfurt am 29. November 2012 kennenlernen und diskutieren. Der Bogen der Vorträge spannte sich von der Post- und Fernmeldeüberwachung über das städtische Nachtlicht, Videoüberwachung im Öffentlichen Raum - kulturell gespiegelt, digitale Spuren im Internet - von der IP bis zur Cloud - bis hin zum Kontrollverlust über die eigenen Daten im Zeitalter der Post-Privacy.

Breite und Vielschichtigkeit des Themas wurden sehr deutlich. Eine "Skandal" kann heute mittels Internet ausgelöst werden, die Lawine dann über die traditionellen Medien ihre Fortsetzung finden und hin bis zum Rücktritt eines Prominenten führen, aber auch das Leben des "kleinen Mannes" zerstören, wie Hanne Detel (Universität Tübingen) in ihrem Vortrag "Das Ende der Kontrolle? Über die Zukunft der Reputation in der Ära von Smartphone und Internet" erörterte. Eine Fülle von Fragen entspann sich: Was ist heute ein "Skandal"? Haben sich die gesellschaftlichen Werte/Normen zu Privatheit, Transparenz, Journalismus usw. verändert und wie? "Wird ein "Skandal" schneller gepusht, aber auch schneller vergessen? Gibt es kulturelle Unterschiede im Umgang mit dem Veröffentlichen/Hypen von (vermeintlichen) Normabweichungen? Warum werden nun auch "Normalbürger" an den Pranger gestellt? Kann dieser Art der "Berichterstattung" erfolgreich entgegengesteuert werden? Was sind die Vor- und Nachteile der Demokratisierung im Internet?

Auch wenn wir die Diskussion um Post-Privacy vielleicht schon leid sind - wir sind offenbar erst am Anfang. Und vielleicht haben Handvenen ja das Potenzial zum neuen Schönheitsideal :)

Control - Selbstbestimmung in einer überwachten Welt? im Museum für Kommunikation Frankfurt ab September 2013.

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