Samstag, 16. Februar 2013

[Kunst-Ausstellung] Yoko Ono. Half-A-Wind Show in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

Feuchte Luft in Kapseln

Aus Platzmangel und um für den bevorstehenden Ansturm gerüstet zu sein, fand die Pressekonferenz im Foyer der Schirn statt. Auch und umso mehr war die abendliche Ausstellungseröffnung planmäßig und an den Grenzen der Sicherheit überfüllt. Die Schirn kann Shopping, Koons, Ono - und Marketing.

Gestern noch bei ihrer ausverkauften Performance Sky Piece to Jesus Christ, heute schon in der Pressekonferenz, abends noch schnell bei der Ausstellungseröffnung vorbeischauen, dann weiter. Die zierliche, immer jugendlich wirkende Yoko Ono auf dem Sprung. Zu ihrem 80. Geburtstag am 18. Februar 2013 zeigt die Schirn Kunsthalle Frankfurt eine rund 200 Werke umfassende Retrospektive, die erste ihrer Art in Europa. Die Überblicksausstellung will nicht nur ihr Lebenswerk als Künstlerin, Sängerin und Komponistin präsentieren, sondern alle Facetten ihres Lebens, wie den Einsatz für Umweltschutz, Friedensbewegung, Menschenrechte und Feminismus einbeziehen.  

Die Künstlerin Yoko Ono ist Cut Piece. Sie ist Bed-In, sie ist Grapefruit. Sie macht alles (halb) und nichts (wirklich). Yoko Ono erfindet und vermarktet vor allem Ideen und das ist - verständlicherweise - einer der Hauptgründe, warum wenige ihrer Werke verkauft werden. Eine ihrer Installationen heißt Half-a-Room - halbe Sachen. Oder White Chess Set, ein Schachspiel mit ausschließlich weißen Figuren, das laut Anweisung nur so lange gespielt werden sollte, wie jeder der Spielenden seine eigenen Figuren noch identifizieren kann. Kleine wassergefüllte Flaschen, darauf Etiketten mit den Namen berühmter Persönlichkeiten: "We are all water, in different containers". Schwierig zu sagen, wer Yoko Ono ist. Manches scheint echt und ehrlich, einiges kokettierend oder selbstverliebt, Fassade und Kommerz, vieles im Sinne der Konzeptkunst Wiederholung, verharrend, manches Gewohnheit, funktioniert. 

Was hätte Yoko Ono an dieser Stelle gebloggt? Vielleicht ein großes Nichts oder hätte sie ein Loch in meinen Blog gebohrt, um den Himmel zu sehen? Na, das will ich lieber nicht riskieren :) Wahrscheinlich aber etwas, für das Sie hätten Eintritt oder Gebühren zahlen müssen. Wenn Sie mal tief durchatmen wollen, ziehen Sie sich aus den "Air Dispensers" für je 50 Cent doch einmal feuchte Schirn-Luft für den nächsten Atemzug. Kuratorin Ingrid Pfeiffer bemerkte im Interview mit der Frankfurter Rundschau Yoko Ono stelle vor allem "eine Gegenreaktion" zum Kunstmarkt dar: "Der ist immer großformatiger, immer dominanter, immer geldorientierter." Aber ist Yoko Onos Kunst das nicht? Immaterialität lässt sich vielleicht (bisher) schlecht verkaufen, aber zum Beispiel Performances - und das hat die Schirn ja auch getan.

In der Ausstellung gibt es im Gegenzug zum Eintrittsgeld viel zu Sehen und Auszuprobieren. Mit einer Pipette einen Schwamm beträufeln, seinen Arm in ein Plexiglasbehältnis stecken, in einer Drehtür hängenbleiben oder gegen die Wand des "gläsernen" Labyrinths zu laufen. Sie dürfen nicht alles, aber viel. Nicht unerwähnt soll da natürlich ein kostenloses Gadget bleiben. An den beiden Olivenbäumen im Foyer der Schirn Kunsthalle haben Sie einen Wunsch frei: Make a wish mit einem Wish-Tag an einem Wish-Tree. Und, was wünschen Sie sich? Jetzt aber mal keine Plattitüden, wie den "Weltfrieden", "Freiheit für alle" oder "Make love, not war". Machen Sie sich die Freude und seien ehrlich zu sich selbst - bleibt ja alles unter uns :) Oder wie sagte Yoko Ono auf der Pressekonferenz "Be yourselves!" Tja, ob wir damit die Welt ändern?

Die Ausstellung Yoko Ono. Half-a wind show. Eine Retrospektive stellt eine soliden Abriss der künstlerischen Entwicklung und motivischen Verbundenheit Yoko Onos dar, der Katalog greift die wichtigen Werke und zentrale Themen auf. Ob Yoko Ono, wie die Schirn Kunsthalle postuliert, "eine der einflussreichsten Künstlerinnen unserer Zeit" ist und John Cage und George Maciunas in den Schatten stellt? Ich wage es zu bezweifeln. Aber machen Sie sich einfach selbst ein Bild, eine Installation oder lauschen Sie dem Geräusch der Erde bei einer weiteren Umdrehung :)

Yoko Ono. Half-a wind show. Eine Retrospektive in der Schirn Kunsthalle Frankfurt am Main. Noch bis zum 12. Mai 2013. Danach wandert die Ausstellung über das Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk, in die Kunsthalle Krems sowie an das Guggenheim Museum in Bilbao.

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